Im kommenden Sommersemester wird es ein Seminar zum Themenbereich Kombinatorik/Optimierung geben, in dem ich einige Themen betreuen werde.
Das Ziel der von mir angebotenen Themen ist es, sich einge der aktuellen Forschungsrichtungen und -methoden der probabilistisch, analytisch oder algorithmisch ausgerichteten Kombinatorik zu erarbeiten. Es ist Teil des Konzepts, dass die Vortragsthemen nicht nur Stoff aus den Diskrete-Mathematik- und Optimierungvorlesung beinhalten. Vielmehr besteht der Reiz dieser Richtung der Mathematik gerade darin, dass Methoden und Ideen aus anderen Teilen der Mathematik zur Anwendung kommen.
Sollten Sie sich entschließen, über eines der Themen einen Vortrag zu halten, so werden Sie sich im Idealfall noch einige Grundlagen (mit meiner Hilfe) aneignen können, die Sie zum Verständnis des ihrem Vortrag zugrundeliegenden Artikels brauchen.
Im Folgende werde ich einige mögliche Themen auflisten.
1. Zählen mit Entropie
Entropie ist ein informationstheoretisches Konzept. Grob gesagt sagt die Entropie eine Zufallsvariable aus, wie groß ihr Informationsgehalt ist, was gleichbedeutend damit ist, wie gut man eine Folge von
von unabängigen Zuvallsvariablen, die zu
identisch Verteilt sind, komprimieren kann (das ist das berühmte Kodierungstheorem von Shannon).
Entropie hat sich aber als ein wichtiges Werkzeug in verschiedenen Teilen der Mathematik entwickelt, darunter auch die Kombinatorik und algorithmische Mathematik. Hier ein Beispiel.
Theorem. Es sei eine endliche Menge von Punkten in
, und
die Projektion dieser Menge auf die Koordinatenhyperebene
. Dann gilt
. Das kann man mit Entropie-Methoden wie folgt beweisen: Es sei
ein aus
gleichmäßig zufällig gewählter Punkt. Die Entropie von
kennt man dann. Nun betrachtet man die Entropien der Projektionen von
auf die Koordinatenhyperebenen, und schätzt deren Informationsgehalt ab. So erhält man
.
In diesem Bereich können mehrere Vorträge vergeben werden. Eine Einarbeitung in die Basics des Entropiebegriffes ist unerläßlich. (Das zahlt sich aber, wie schon erwähnt, nicht nur für die Diskrete & Algorithmische Mathematik aus). Die Vorträge sollen sich dem diesem Übersichtsartikel orientieren: www.tcs.tifr.res.in/jaikumar/Papers/EntropyAndCounting.pdf
2. Expansion, Eigenwerte und Random Walks in Graphen
Jemand fährt durch eine Stadt. Immer, wenn er an einer Kreuzung ankommt, würfelt er die Straße aus, die er nun weiterfährt. Man kann sich leicht überlegen, dass, wenn er das unendlich lang macht, die Kreuzung, an der man ihn antrifft, gleichverteilt ist (vorausgesetzt, die Stadt ist “zusammenhängend” und nicht “bipartit”). Aber wie schnell konvergiert dieser Prozess gegen die Gleichverteilung? Die Antwort auf diese Frage führt zu einer tiefen Eigenschaften von Graphen, nämlich der Expansion, die wiederum zu tun hat mit Eigenschaften des Spektrums der Adjazenzmatrix (bzw., genauer gesagt, der Laplace-Matrix).
Expansions- oder, allgemeiner, Eigenwertmethoden sind heute aus den Anwendungen von Graphen für Algorithmen nicht mehr wegzudenken. Für algorithmisch Geneigte ist es wohl zur Zeit das Ding.
In einigen Vorträgen können wir die Beziehungen zwischen Expansion, Eigenwerten und Random Walks in Graphen, sowie die Anwendungen behandeln. Die Vorträge werden sich an dem folgenden Übersichtsartikel orientieren: www.ams.org/bull/2006-43-04/S0273-0979-06-01126-8/home.html.
3. Greedy-Algorithmen auf zufälligen Strukturen und Wormald’sche Methode der Differentialgleichungen
Hier handelt es sich um eine elegante Methode, mit der die Eigenschaften von Algorithmen mit zufälliger Eingabe untersucht werden. Als Beispiel möge der folgende randomisierte Greedy-Algorithmus zum Finden einer unabhängigen Menge in einem Graphen dienen. Zu Begin sei . Solange es Ecken in
gibt, die zu keiner Ecke in
benachbart sind, wähle eine solche zufällig aus, und füge sie zu
hinzu.
Das Verhalten dieses Algorithmus auf zufälligen regulären Graphen kann man mit Wormalds Methode analysieren. Es ergibt sich ein System von gewöhnlichen Differentialgleichungen, wobei die Variable, nach der differenziert wird, die “Zeit” im Algorithmus ist. Aus der Lösung des DGl-Systems kann man dann ablesen, wie sich der Algorithmus über die Zeit entwickelt und insbesondere, wann er (mit hoher Wahrscheinlichkeit) terminiert. (Terminiert der Algorithmus nach Schritten, so hat er eine unabhängige Menge der Größe
gefunden.)
Allgemeiner formuliert ist Wormalds Methode anwendbar, wenn sich für die bedingten Erwartungen der Beobachtungsvariablen eines (diskreten) Zeitschritts eines stochastischen Prozesses ein System von gewöhnlichen Differentialgleichung aufstellen läßt. Unter gewissen Bedingungen (Lipschitzstetigkeit etc.) kann man dann zeigen, dass sich nicht nur die Erwartungswerte, sondern die Beobachtungsvariablen selber mit hoher Wahrscheinlichkeit wie die Lösung des Differentialgleichungssystems verhalten.
Zu diesem Themenbereich können mehrere Vorträge vergeben werden. Der nicht-kombinatorischen Anteil ist hier Wahrscheinlichkeitstheorie und stochastische Prozesse. Es wird möglicherweise nur um die Anwendung der Methode in Beispielen gehen und nicht um den Beweis der Korrektheit, der w-theoretisch anspruchsvoller ist.
4. Themenbereich Property Testing
Mit dem Begriff Property Testing bezeichnet man das Problem, einen Algorithmus zu finden, der in sublinearer Zeit entscheiden, ob das Eingabeobjekt eine bestimmte Eigenschaft hat, oder weit davon entfernt ist, die Eigenschaft zu haben. Property Testing Algorithmen gibt es zu den verschiedensten Arten von Objekten (z.B. Graphen), wie auch zu den verschiedensten Eigenschaften.
Das Feld hat in den letzten Jahren durch Zusammenhänge zu Quasizufälligkeit große Fortschritte gemacht.
Ich würde gerne zu diesem Themenbereich mehrere Vorträge vergeben, habe mir bisher aber noch nicht genau überlegt, welche.
Eine gute Vorauswahl findet sich hier.
5. Themenbereich fourieranalytische Methoden
Es gibt einige mögliche Vorträge zu analytischen Methoden im weitesten Sinne. (Diesen Abschnitt werde ich vielleicht noch ergänzen.)
Jean Bourgains Paper
Das folgende Paper des Fields-Medaillisten Jean Bourgain gibt einen Beweis für den folgenden Sachverhalt: Ist eine Menge mit positiver oberer Dichte (d.h.
), dann existiert ein
, so dass für jedes
Punkte
existieren, mit
. Der Beweis benutzt elementare Fourieranalysis.
http://www.springerlink.com/content/a343g53033872345/?p=a3508dbd5dc74e51a0f17149a73f0cbf&pi=4
Tamar Zieglers Paper
Bourgain beweist das oben beschriebene Resultat, indem er zunächst ein viel stärkeres Theorem beweist, dass im Wesentlichen besagt, dass für geeignete endliche Mengen die Menge
isometrische Kopien von
enthält, für alle groß genugen
.
Dieses Theorem wurde auf höhere Dimensionen verallgemeinert. Der Beweis kommt nicht mehr mit Fourieranalysis aus, er benutzt stattdessen Ergodentheorie. Das Paper findet sich hier:
http://www.springerlink.com/content/bxu1pp8024233891/?p=95774a32b0244e16b7aeecae472e8f8a&pi=13